Racketlon in Österreich vor großen Herausforderungen – Racketista Folge 27

Vier Sportarten, ein Wettkampf – die Faszination Racketlon

Was Racketlon so besonders macht, ist sein Punktesystem: Es zählt nicht der Satzgewinn, sondern jeder einzelne Punkt. Wer in seiner stärksten Disziplin zu viele Punkte liegen lässt, kann den gesamten Wettkampf verlieren. Diese Logik macht Racketlon taktisch anspruchsvoll – und unterscheidet den Sport fundamental von klassischen Einzelsportarten.

Gleichzeitig verlangt der Sport seinen Athletinnen und Athleten ein hohes Maß an Vielseitigkeit ab. Trainingsschwerpunkte müssen individuell gesetzt werden, je nach Spielertyp, Stärkenprofil und körperlichen Voraussetzungen.

Die Szene in Österreich: klein, aber engagiert

Aktuell zählt der Verband 26 aktive Vereine mit etwa 800 gemeldeten Spieler:innen. Die tatsächliche Zahl liegt laut Pichler höher, da viele Racketlon auf Hobby- oder Turnierebene betreiben. Regionale Hotspots gibt es vor allem in Wien, Niederösterreich, der Steiermark sowie in Tirol.

Nach Hochphasen mit deutlich über 100 Teilnehmenden pro Turnier in den Jahren 2015 bis 2018 ist die Szene heute kleiner – auch weil neue Sportarten zusätzliche Alternativen bieten. Umso wichtiger sind funktionierende Formate, die Menschen für Racketlon begeistern.

Ehrenamt am Limit: Verbandsarbeit unter Druck

Seit Juni 2024 steht Roland Pichler an der Spitze des Verbandes – und trat damit ein schweres Erbe an. Die Anforderungen an Sportverbände steigen stetig: Verwaltung, Förderlogik, Reporting, IT, Medienarbeit. Viele dieser Aufgaben sind längst nicht mehr rein ehrenamtlich zu stemmen.

Ohne ausreichende finanzielle Basis wird es zunehmend schwierig, qualifiziertes Personal zu finden oder bestehende Strukturen aufrechtzuerhalten. Genau hier liegt eine der größten Herausforderungen für Racketlon in Österreich.

Förderungen, Projekte und eine unsichere Zukunft

Als assoziiertes Mitglied von Sport Austria erhält die Racketlon Federation Austria keine Basisförderung. Zwar konnten zuletzt Projektmittel und eine Notfinanzierung für 2025 gesichert werden, doch eine ursprünglich mündlich zugesagte mehrjährige Förderung wurde nach einem Regierungswechsel nicht umgesetzt.

Dennoch laufen wichtige Projekte weiter:

  • Talente Tour für Nachwuchs- und Jugendspieler:innen
  • Train with the Champions als Schulprojekt zur Sportartenvermittlung
  • Racketlon Unified, ein Inklusionsformat, bei dem Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam spielen

Gerade das Unified-Projekt zeigt eindrucksvoll, wofür Racketlon stehen kann: Teilhabe, Gemeinschaft und Sport auf Augenhöhe.

Turniere als Herzstück von Racketlon

Mit den Austrian Open richtet Österreich eines der größten internationalen Racketlon-Turniere aus. Knapp 100 Spieler:innen aus 17 Nationen, hochklassige Elitebewerbe und starke österreichische Leistungen zeigen, welches Potenzial im Sport steckt – auch medial. Racketista war vor Ort und hat das Event redaktionell begleitet.

Ein weiteres zentrales Schaufenster sind die österreichischen Meisterschaften im Rahmen der Sport Austria Finals. Die hohe Medienpräsenz, Livestreams und die Einbindung von Jugend- und Unified-Bewerben machen diese Plattform für Randsportarten wie Racketlon enorm wertvoll.

Nachwuchs als Schlüssel zur Zukunft

Österreich zählt im Nachwuchsbereich weiterhin zu den führenden Nationen im Racketlon. Doch ohne stabile Förderungen geraten genau diese Strukturen in Gefahr. Internationale Turnierteilnahmen, Trainerbetreuung und Trainingsmaßnahmen sind kostenintensiv – und essenziell, um junge Talente im Sport zu halten.

Racketlon: Ein Sport mit Zukunft – wenn die Rahmenbedingungen stimmen

Racketlon steht vor großen Herausforderungen. Gleichzeitig zeigt der Blick auf die Community, die Projekte und das Engagement vieler Beteiligter: Dieser Sport lebt – und hat Zukunft. Voraussetzung dafür ist, dass Politik, Dachverbände und Förderstellen die Bedeutung auch kleinerer Sportarten erkennen und langfristige, verlässliche Strukturen ermöglichen.