Kampf gegen Diskriminierung und Ungleichheit im Sport

Talk mit Claudia Koller, Marion Maruska, Caroline Mischek

Gleichstellung: Zwischen Fortschritt und strukturellen Barrieren

Dass sich in den letzten Jahren viel bewegt hat, betont Claudia Koller: „Früher hat man Mädchenförderung als Projekt verstanden – heute geht es um strukturelle Veränderungen.“ Mit 100% Sport steht sie für Genderkompetenz und Safe Sport ein, schafft Netzwerke in Verbänden und bietet Fortbildungen an. Doch der Weg ist lang.

Im Tennis etwa werden Mädchen und Burschen zwar zu gleichen Teilen an die Sportart herangeführt, wie Marion Maruska berichtet. Doch beim Übergang in den Wettkampfsport dünnt sich die weibliche Beteiligung spürbar aus. Eine Erklärung: Mädchen tendieren eher zu Teamsportarten, Einzelduelle schrecken häufiger ab.

Sichtbarkeit und Vorbilder

Ein Schlüssel liegt für alle Diskutierenden in der Sichtbarkeit und in Role Models. „Was man sieht, kann man sich vorstellen“, so Marion Maruska. Deshalb fördert der ÖTV gezielt Frauen im Trainer-, Schiedsrichter- und Funktionärswesen. Mit dem Projekt Ladies in Tennis schafft der Verband Räume für Frauen, auch abseits der Profikarriere.

Auch Caroline Mischek sieht sich – trotz ihrer Bescheidenheit – als Vorbild. Zwar sei sie nicht die Nummer 1, aber: „Ich bin in Österreich groß geworden, habe hier trainiert – und bin jetzt im Nationalteam. Das zeigt den jungen Spielerinnen, dass es geht.“ Ihr Wunsch: Noch mehr Einbindung aktiver Spielerinnen in Nachwuchsarbeit und Kommunikation.

Gleiches Preisgeld – ungleiche Chancen

In Tischtennis und Tennis wurde das Preisgeld bei großen Turnieren vielfach angeglichen – ein Fortschritt. Dennoch verdienen Frauen oft weniger: „Nicht wegen des Preisgelds, sondern weil Sponsoren und Vereine weniger zahlen“, sagt Mischek. Umso wichtiger seien Institutionen wie das Bundesheer, die gleiche finanzielle Unterstützung bieten – unabhängig vom Geschlecht.

Marion Maruska bestätigt das Ungleichgewicht: „Top 100 bei den Männern ist finanziell ein anderes Level als bei den Frauen.“ Und Claudia Koller spricht offen über einen Teufelskreis: „Wenig Sichtbarkeit – weniger Sponsoring – weniger Ressourcen – geringere sportliche Entwicklung.“ An jeder Stellschraube sei noch Luft nach oben.

Sexualisierung, Social Media und das Bild der Sportlerin

Ein weiteres Problem: Die mediale Darstellung. Immer noch wird Frauen im Sport mehr Aufmerksamkeit geschenkt, wenn sie gängigen Schönheitsidealen entsprechen. Koller erinnert an einen Fall, in dem eine Spielerin nach zwei Niederlagen öffentlich für Make-up und Styling kritisiert wurde – „als ob das ihre sportliche Leistung schmälert.“

Gleichzeitig betonen die Gesprächspartnerinnen: Sportlerinnen sollen sich so präsentieren dürfen, wie sie sich wohlfühlen – ob geschminkt, mit langen Nägeln oder im schlichten Trainingsoutfit. Problematisch wird es erst dann, wenn das Äußere wichtiger wird als die Leistung.

Social Media spielt dabei eine ambivalente Rolle: Chance zur Eigenvermarktung, aber auch Einfallstor für Hass. „Nach Wettkampfverlusten bekommen wir oft beleidigende Nachrichten“, berichtet Mischek. Während sie damit souverän umgeht, sei der Umgang für junge Athletinnen oft belastend. Der ÖTV setzt hier auf Prävention und Workshops – von digitaler Sicherheit bis hin zu psychologischer Unterstützung.

Frauen in Führungsrollen? Noch viel zu tun

Nur sieben Prozent aller Vereinsfunktionär:innen im Tennis sind Frauen – und das trotz gezielter Programme. Claudia Koller nennt mögliche Gründe: Care-Arbeit, mangelnde Zeit, männlich geprägte Vereinsstrukturen. Auch das Vereinsgesetz sei kein Hindernis, aber: „Man müsste Rollen flexibler denken – Aufgaben im Team verteilen statt Einzelpositionen überbetonen.“

Auch Caroline Mischek kann sich mittlerweile vorstellen, künftig Verantwortung zu übernehmen: „Früher war das für mich kein Thema – jetzt denke ich, man kann Dinge verbessern, wenn man selbst mitgestaltet.“

Und jetzt? Kleine Schritte, große Wirkung

Am Ende der Diskussion steht der Aufruf zum Handeln – nicht nur auf politischer Ebene, sondern auch im Kleinen: „Jede und jeder kann Frauen im Sport unterstützen – als Elternteil, Vereinsmitglied oder Funktionärin“, so Koller. Maruska ergänzt: „Wir Frauen müssen andere Frauen aktiv stärken – und Männer ins Boot holen, die das unterstützen.“

Denn der Kampf um Gleichstellung ist noch lange nicht zu Ende. Oder wie es Claudia Koller formuliert: „Im Sport müssen Frauen oft das Gleiche leisten wie Männer – nur rückwärts und in Stöckelschuhen.“

Die Sendung wurde am 1. April 2024 auf Streamster TV erstausgestrahlt.